Also eins kann man von ‚meiner‘ Klasse jetzt im Praktikum wirklich nicht sagen: Und zwar, dass sie langweilige Namen hätten. Da gibt es z.B. Kurt, Mayette, Mathilda und Flynn, und Celia und Carlotta. Ein kleiner Haufen mit kurzen Armen und Beinen und ganz vielen Hummeln im Hintern.
Aber sie haben nicht nur nicht-langweilige Namen, sie sind auch nicht-langweilig. Heute war zwar erst der zweite Praktikumstag, aber dafür haben meine Kommilitonin und ich schon ganze zwei Supergaus erlebt, wie unser Professor das so schön betiteln würde. Moritz schnitt sich im Werkunterricht beim Schleifen und Sägen in den Finger. Nicht doll, hat nur ein wenig geblutet. Wäre jetzt nicht so spektakulär, wenn er kurze Zeit später nicht so blass wie ein Leichentuch und dann ohnmächtig geworden wäre. So einen Schreckmoment hat man als Lehrer wohl eher selten, aber wir haben sowas gleich am zweiten Tag in der ersten Stunde. Nach schnell versuchter stabiler Seitenlage und Wachrütteln war er auch ganz schnell wieder bei uns und wurde dann kurze Zeit später von Mama abgeholt.
Der restliche Tag verlief dann ganz gewöhnlich, bis zur zweiten großen Pause, in der Robert dann mit voller Wucht und dickem Schädel aufs pure Eis knallte und mit relativ stark blutender Platzwunde ins Sekretariat gebracht wurde. Auch ihn übergab ich dann an die besorgte Mutter.
Langsam glauben wir ja, dass das an uns liegt und am Ende unseres Praktikums alle Schüler verletzt im Krankenhaus liegen. Ich bin schon gespannt, wen wir als nächstes verarzten und trösten müssen.


